Angst zu sterben

Fragen, Ängste, und wie man damit umgehen kann.

Angst zu sterben

Beitragvon Frederike » 10 Jun 2009 23:03

Ja ich habe Angst, aber meistens wenn ich aus dem Krankenhaus komme. Heute war ich bei der Therapie und bei der Akkupunktur. Ich habe meine Schmerztherapie besprochen, weil ich immer noch nicht schmerzfrei bin und darüber das mir von den ganzen Schmerzmitteln schlecht wird, so wie von meiner neuen Chemo, ich habe auch erwähnt , das ich ein Augenflimmern habe , links aussen. Nach der Akkupunktur musste ich mich ziemlich übergeben.( nicht von der Akkupunktur, sondern vom raschen Aufstehen glaube ich) . Die Ärztin bot mir an stationär zu bleiben, was ich nicht wollte. Ich will meinen kleinen Jungen nicht alleine lassen,außerdem habe ich Angst in so Krankenzimmmern nachts. Ich bekam gegen die Übelkeit eine Infusion und auch Elektrolyde gegen den Flüssigkeitsverlust, dann kommt die Ärztin nochmal auf mich zu und sagt, das müssen wir beobachten mit dem Augenflimmern, ich sage meinen sie die Metastasen haben in den Kopf gestreut, sie sagt nicht ja und nicht nein, wir können das mit einem Ct abklären. Ich will keine CTS mehr. Ich halte das nicht mehr aus, vor drei Monaten habe ich aber( und da wusste ich noch nichts von einem Rückfall) ein CT gemacht, da war nichts zu sehen. Das beruhigt mich, vielleicht ist es nur der Kreislauf. Soll ich alles wissen, oder nicht , soll ich jedem Anzeichen nachgehen oder es einfach ignorieren, habt Ihr einen Tip, was bringt es mir alles zu wissen. Ich weiß ja noch nicht mal , ob die Chemo stimmt , die ich jetzt nehme und nehme sie ,weil ich Angst habe zu sterben,und warum habe ich Angst zu sterben, weil ich meinen kleinen Sohn und meinen Mann und meine Familie meine Freunde behalten will
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Re: Angst zu sterben

Beitragvon Anne » 11 Jun 2009 09:32

Nur was Dir gut tut ist richtig und wichtig, was andere wollen kann Dir wurscht sein, denn Du bist wichtig!
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Re: Angst zu sterben

Beitragvon Leila S. » 11 Jun 2009 11:35

Nur zu wahr, was Anne schreibt: im Grunde weiß jeder selbst am besten, was ihm guttut. Aber die akute Angst, zu sterben, ist doch ein Ausnahmezustand.

Liebe Frederike, ich möchte nicht missionarisch wirken, das liegt mir wirklich fern. Aber wenn es nur eine klitzekleine Chance gibt, dass es dir guttut, möchte ich diesen link anbieten, ich habe gute Erfahrungen damit gemacht.
Es geht um spirituelle Begleitung im Angesicht des Todes, das Buch von Christine Longaker gibt es hoffentlich auch auf deutsch, falls es dich interessiert.

http://www.spcare.org./fdfh/

Liebe Grüße, Leila
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Re: Angst zu sterben

Beitragvon Simone_k » 11 Jun 2009 15:46

Liebe Frederike,
warum antworte ich dir? Ich bin nicht unmittelbar vom Sterben bedroht, denn meine Krankheit stagniert zur Zeit, nach mehreren starken Schüben. In deiner Angst erkenne ich meine eigene Angst vor dem Tod wieder und mir hilft die Beschäftigung damit, ihm sozusagen fest in die Augen zu schauen.
Obwohl du hoffentlich bald wieder gesünder und kräftiger sein wirst, möchte ich dir diese Passage aus einem Buch von Phyllis Krystal (Econ, Frei von Angst und Ablehnung) zeigen, einer energischen älteren Dame, die ich 2001 bei einem Vortrag kennengelernt habe.

„In einem weiteren Fall, den ich schildern möchte, befand sich eine krebskranke Frau in den letzten Stadien ihrer Krankheit. Sie besaß jedoch im Gegensatz zu den beiden vorher genannten Personen einen tiefen Glauben an Gott. Auch sie hatte einen sehr starken Willen und war nicht nur an ihre Kinder und Enkel ungewöhnlich stark gebunden, sondern auch an ihr Geld und ihren Besitz. …
Auch sie bewegte sich zwischen Bewusstsein und Bewusstlosigkeit hin und her, und wenn sie bei sich war, konnte sie sprechen, wobei sie uns oft anvertraute, dass sie nicht sterben wolle und dass ihr die Aussicht, alles was ihr vertraut war, hinter sich lassen zu müssen, große Angst mache. Ihr Wille war so stark, dass sie sich an das Leben klammerte, obwohl es offensichtlich war, dass ihre physische Energie zu Ende ging.
Sie klagte immer wieder darüber, entsetzliche Angst bei dem Gedanken zu haben, dass sie nun alles, was sie liebte, hinter sich lassen müsse, besonders ihre Familie, und dass sie vor dem Alleinsein Angst habe. Sie hatte ihr Leben lang Angst vor der Einsamkeit gehabt, und dies war auch der Grund dafür, dass sie sich so verzweifelt an ihre Kinder geklammert hatte.
Ich sprach mit ihr über Befreiung und schlug ihr vor, über die materielle Welt hinwegzuschauen und zu sehen, ob sie bereits Verstorbene, Verwandte oder Freunde erkennen könne, die sie vielleicht erwarteten. …
Sie beschrieb eine große, mütterliche Frau (ihre Großmutter), die ihr beide Arme entgegenstreckte. Ich ermunterte sie dazu, in diese Arme hineinzulaufen, die sie willkommen hießen…

Für die Familienangehörigen ist es ebenso wichtig, rechtzeitig auf dieses Ereignis vorbereitet zu werden, wie für den Menschen, der dabei ist, seinen physischen Körper zu verlassen. …

Für Menschen, die noch nicht über den Tod belehrt worden sind, ist es hilfreich, täglich von jemandem besucht und gepflegt zu werden, der sie darauf vorbereitet, das herannahende Ableben akzeptieren zu können.
So wie die Menschen dem Leben auf viele verschiedene Arten begegnen, gehen sie auch auf den Tod mit sehr unterschiedlichen Auffassungen zu, die von den Glaubenshaltungen während ihres Lebens abhängen, von ihrer körperlichen Verfassung und von den verschiedenen Bindungen an den irdischen Schauplatz. …“

Wie gesagt, ich denke, dass du hoffentlich nicht zu den bald Sterbenden gehörst(!), aber vielleicht nimmt dir die Beschäftigung damit ein Stück Angst.
Frederike, ich wünsche dir, dass du einen konstruktiven Weg für den Umgang mit deiner Angst findest, und bei allem behalte deine Klarheit und Stärke in der Schwäche, alles Gute, Simone
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Re: Angst zu sterben

Beitragvon Leila S. » 12 Jun 2009 13:03

Ich möchte noch etwas ergänzen:
nach dem Tod meines Vaters bin ich durch Zufall an jemanden geraten, der mit dem Spiritual Care zu tun hatte, und
mir davon erzählt hat, ich wußte vorher gar nicht, dass es Menschen gibt, die sich um sowas kümmern.
Die Atmosphäre dort ist so erholsam, weil endlich alles sein darf wie es ist.
Niemand kritisiert, macht Vorwürfe oder beunruhigt einen mit Hysterie, du kannst dich deinem Schmerz
und deiner Trauer überlassen. Es ist gut so und ich bin damit nicht allein.
Alles darf sein wie es ist - das war für mich die Rettung,
und darum habe ich diesen link hier reingestellt.

Liebe Frederike, ich würde mich freuen, wenn du weiter berichtest, wie es dir geht und mich auch
wissen läßt, ob die spirituelle Richtung dir nützt. So oder so, alles darf sein! Liebe Grüße, Leila
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Re: Angst zu sterben

Beitragvon cessna » 14 Jun 2009 23:55

liebe frederike,

ganz kurz: war ganz eingenommen und berührt von deinen berichten. sei xxxl mit heilbussis umarmt. allerbeste wünsche für dich! cessna
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Re: Angst zu sterben

Beitragvon Sabine T. » 15 Jun 2009 19:45

Liebe Frederike, mir kommt Deine Angst sehr bekannt vor, bei meinem Mann war es ähnlich. Für die Ärzte
und Schwestern sind solche Fragen sehr unangenehm und nicht zu beantworten und da man mit den Nerven
schon völlig am Ende ist denkt man ständig an das Schlimmste. Es bahnen sich Panikattacken an. Mein Mann
war sich so gut wie sicher, daß er Hirnmetastasen hat. Am Schluß mußten wir den Notarzt rufen, wir waren
nur 30 m von zu hause entfernt. Er konnte keinen Schritt mehr gehen. Wochen vorher hatte er schon Probleme
mit den Beinen. Nach gründlicher Untersuchung wurden Tabletten verschrieben, die nach ein paar Tagen
wirkten. Nach einer Woche konnten wir wieder eine Stunde spazieren gehen, woran vorher nicht zu denken war.
Viel Kraft und Lebenswillen wünscht Dir Sabine
Sabine T.
 
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Re: Angst zu sterben

Beitragvon Frederike » 18 Jun 2009 04:30

Liebe Leila, LIebe Susanne, Liebe Cessna, Euch allen vielen Dank für Eure Antworten, ich werde sie immer und immer wieder lesen. Es ist jetzt 4 Uhr in der Nacht, ich habe gestern ein MR gemacht auf Drängen der Ärzte und ich habe keine GEhirnmetastasen sondern eine starke Anämie. Ich bin natürlich überglücklich, aber etwas reduziert durch diese Psychopharmaka Angstlöser, die ich zwar in geringen Dosen nehme, aber sie haben mir die absolute Panik genommen und das war gut so. Heute lag ich den ganzen Tag im Bett, dafür bin ich nachts , sowie jetzt fit( dann schläft auch mein kleiner Paul). Ich bin heute das erste Mal seit meiner neuen Diagnose in der Kirche gewesen, ich habe mich hingesetzt und war ganz alleine und habe geweint, das hat mir so gut getan, ich habe versucht mit Gott zu sprechen zu dem ich eine etwas wackelige Beziehung habe, weil ich mich oft frage wo er ist , wo er steckt, wenn es sovielen Menschen nicht gut geht, sie hungern , Krankheiten haben und sonstige schlimme Leiden erdulden. Egal, heute habe ich mich bei ihm bedankt und ihm gesagt , das ich mir wünsche noch bei meinem Kleinen und meiner ganzen Familie und meinem Mann bei meinen Freunden bleiben zu dürfen.Trotz der Entwarnung sitzt der Schock so tief.Ich danke Euch für Eure lieben und klugen Antworten! Ich kam aus der Kirche wo meine Babysitterin, die mir eine echte lebenshilfe geworden ist mit Paul Fahrrad fahren geübt hat, ( ich mache mir oft Vorwürfe ,das ich mit meinen 41 Jahren, ihm nicht hinterherrennen kann , ich weiß das ist falsch, aber so ists nun mal). Ich setzte mich auf die Bank in der Sonne und wechselte mich mit Gerlinde ab. Und da passierte ein kleines Wunder ( für mich) , er fuhr plötzlich rief er Loslassen Mama, Loslassen und er fuhr und zählte dabei die Runden.Ich erinnerte mich plötzlich an den Moment n dem er laufen gerlernt hat
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Re: Angst zu sterben

Beitragvon Frederike » 18 Jun 2009 04:37

Fortsetzung der Antwort natürlich auch für Sabine



Die Sonne schien noch und mir war klar, ich muss loslassen, er lernt es das Fahrrad fahren, sowie alle am Anfang schwierigen Dinge. und dann kann er sie im Schlaf. Aber ich war unendlich dankbar, das ich mich hatte aufraffen können, ihn bei seinem Fahrradübungsausflug zu begleiten. Oder hatte er extra auf mich gewartet, das weiß ich nicht , aber er ist plötzlich Fahrrad gefahren und rief immer loslassen mama, und dann setzte ich mich auf die Bank und schaute zu eine Runde und dann die andere. Und ich spürte , auch wenn ich mal nicht mehr da wäre er kommt klar. Das war ein echter Glücksmoment.
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Re: Angst zu sterben

Beitragvon dtroestler » 18 Jun 2009 08:13

Liebe Frederike,

danke für deine Offenheit und dein Mut. Du bist stark und deine Familie, vor allem dein Sohn, brauchen dich. Ich kann nachvollziehen was du fühlst, wie´s dir geht. Solche Momente sind unbezahlbar und so kostbar, man möchte sie am liebsten konservieren und für immer festhalten. Du wirst sehen, es werden noch so viele Sachen passieren, so viele schöne Momente kommen. Du wirst irgendwann als alte Oma auf einer Bank sitzen und deinen Enkeln sagen: "ja, ja, das waren noch Zeiten als eurer Papa das Fahrrad fahren gelernt hat... "


Ich wird an dich denken, deine Dagmar


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