Videotagebuch Farrah Fawcett

Austausch zu Filmen und Büchern, die sich mit Krankheit beschäftigen

Videotagebuch Farrah Fawcett

Beitragvon Michael » 14 Jun 2009 13:52

Hat das vielleicht jemand gesehen?
------------- oder kann mehr dazu sagen??

Hier ein Artikel:

Seltener Darmkrebs
Das öffentliche Siechtum der Farrah Fawcett
http://www.welt.de/fernsehen/article375 ... wcett.html

Einst galt Farrah Fawcett manchem als schönste Frau des Universums. Nun ist sie todkrank. Millionen US-Amerikaner konnten gestern im Fernsehen das Videotagebuch ihres Siechtums verfolgen. Es war auch eine Dokumentation verwundeter Eitelkeit. Nur einmal wurde die Diagnose erwähnt: "bösartiges Analkarzinom".

"Heute geht es mir gut, denn ich lebe“, sagt die Stimme von Farrah Fawcett am Ende ihres Videotagebuchs in einer tapferen Lüge, „mein Kampf geht weiter – und wofür kämpfen Sie?“ Eine Lüge ist es, weil die 62 Jahre alte Schauspielerin am Freitagabend 20 Uhr Westküstenzeit des 15. Mai, als "Farrah´s Story“ in NBC nach zwei Stunden Sendezeit endet, im Sterben liegt und ihren Film, schwer sediert, nicht mehr begreifen kann. Die Ärzte lindern nur noch ihre Schmerzen.

Die Kamera findet sie kaum, eine zerbrechliche, gekrümmte, sedierte Todkranke in ihrem Bett, die ihren Sohn Redmond nicht erkennt. Und nur vage dessen Vater, ihren Geliebten Ryan O´Neil. Vielleicht ist das besser so, denn Redmond, um die zwanzig, führt seinen eigenen Kampf mit Drogensucht; er kommt in Fußketten und „L.A. County Jail“-Sträflingskleidung. Mitleid durchflutet den Zeugen dieses öffentlichen Siechtums. Warum sehen wir hin? Warum tut sie sich das an?

Die Antwort lautet auf beide Fragen: Weil Farrah Fawcett („Drei Engel für Charlie“) manchen vor 30 Jahren als die schönste Frau des Erdkreises galt. Und weil schöne, berühmte Menschen vor Krankheit und Tod gleich sind wie die Namenlosen. Fawcetts blonde Mähne wurde damals Neid und Vorbild von Millionen Frauen. Wie ihr Plakat im roten Badeanzug, frivol auflachend, das Pin-up und die Männerphantasie ihrer Zeit. „Ich hätte nie geglaubt, dass ich einmal die Worte ‚Bösartiges Analkarzinom’ schreiben würde“, liest sie aus ihrem Tagebuch über ihre Diagnose im Sommer 2006.

Es fällt bezeichnenderweise kein weiteres Wort über die Eigenheiten dieser seltenen Krebsart, die von falscher Scham und Verdrängung noch tödlicher gemacht wird. Auch Fawcett, die ihren Leidensweg durch die endlose Serie von Bestrahlungen, Laseroperationen und den Angriffen „chemischer Kriegsführung“ gegen den eigenen Körper so schonungslos dokumentiert, bringt es nicht über sich, auch nur ein Mal den Begriff „künstlicher Darmausgang“ auszusprechen. Oder auch anzudeuten, was die Erkrankung für ihre Verdauung bedeutet. Selbstzensur greift hier auf seltsame Weise. Sie lässt sich filmen, wie sie sich wegen der brutalen Medikamente erbricht und vor Schmerzen stöhnt, aber das Nächstliegende bleibt tabu.

Es hat für einen medizinischen Laien den Anschein, dass der traditionelle „Erstschlag“ gegen diesen Krebs am Darmausgang, die am meisten Erfolg versprechende Behandlung die radikale Folge eines künstlichen Darmausgangs gehabt hätte. Fawcett verweigerte ihren Ärzten an der Universitätsklinik von UCLA in Los Angeles diese Operation bis zum Schluss. So wie fast bis zum Ende eine Chemotherapie, die so aggressiv ist, dass es ihren Haarschopf kostet, um noch einmal ihren Kopf zu retten. Die arme Heldin mag besonders tapfer, lebensmutig, optimistisch sein, wie Freundinnen sie in dem Film rühmen, klüger als andere war sie nicht.


Verwundete Eitelkeit und Tabus

Verwundete Eitelkeit und Tabus lähmten Farrah Fawcett. Ihr Haar und ihr Körper, den sie noch mit Fünfzig im „Playboy“ ausstellten, sind ein Mythos und müssen unantastbar bleiben. Niemand sollte nach der ersten Diagnose im September 2006 von ihrem Leiden erfahren. Die ersten Videoaufnahmen entstanden als Gedächtnisstütze, um die Diagnosen und Therapienerklärungen der Ärzte nachvollziehen zu können. Dass die Paparazzi sie doch immer wieder aufspüren, dass das Schmutzblatt „National Enquirer“ von einem Angestellten der UCLA-Klinik ihre Krankenakte zugespielt bekommt, ist ein Nebenkriegsschauplatz von „Farrah’s Story“. Man kennt die üble Symbiose zwischen Zelebritäten und ihren Parasiten. Sie können nicht ohne einander leben.

Es wird viel mit deutschem Akzent gesprochen in dem Film. Es treten auf: Ursula Jacob, die lebensfrohe, herzliche Leiterin einer privaten Krebsklinik im Bayrischen, die sich auch bei im Dirndl gut macht; der offenbar immer gut aufgelegte Laserchirurg Klaus Kieling ebendort, von Fawcett als „glücklicher, verrückter Wissenschaftler“ bejubelt, als sie erstmals tumorfrei ist; Thomas Vogel, offenbar Onkologe an der Uniklinik in Frankfurt am Main. Ein halbes Dutzend mal reist Farrah Fawcett nach Deutschland, am Anfang voller Hoffnung, bald in Verzweiflung. „Was war ihr bester Film, Farrah?“, fragt Vogl seine Patientin während er ihr lange Nadeln durch die Rippen stößt, um Medikamente in Tumore zu spritzen. Fawcett stöhnt. „Hart, hart, hart“ murmelt eine des Englischen nicht mächtige Krankenschwester, als Fawcett sich übergibt. „Sie ist kein Hollywood-Chick“, rühmt sie Ursula Jacob. Was immer sie damit meint.

Der Produzent von „Farrah´s Story“ hat Ryan O´Neil und einige andere verklagt, weil sie ihm und, wie er behauptet, Farrah Fawcett die Kontrolle über den Film nahmen. „Ich möchte am Leben bleiben. Sie entkommt Hollywood auch im Tod nicht.“ O´Neil (68) witzelt einmal, als noch Hoffnung ist, über seine zweite „Love Story“. Die Rolle, die ihn als Geliebter einer Sterbenden berühmt machte. Er selbst leidet an Leukämie, „kleine Fische“ gegen Fawcetts Kampf. Es scheint, dass mit ihrem Tod jeden Tag zu rechnen ist. Früh in „Farrah’s Story“ liest sie: „Deshalb sage ich zu Gott, weil es schließlich in seiner Hand liegt: Es ist ernsthaft Zeit für ein Wunder.“
Michael
Site Admin
 
Beiträge: 17
Registriert: 04 Mai 2009 00:45

Zurück zu Filme, Bücher und mehr...

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 1 Gast

cron