Ist Itraconazol eine Rettung?

Was für Erfahrungen hat man gemacht? Was hat einem geholfen, was nicht? Was gibt es an neuartigen Methoden?

Ist Itraconazol eine Rettung?

Beitragvon Katja » 02 Mär 2010 00:16

Hallo Alle zusammen!

Anfang September 2008 wurde ein Patient in gutem Allgemeinzustand, aber mit starken Kopfschmerzen und den wiederholten Ohnmachtzuständen ins Uni-Klinikum Frankfurt am Main stationär aufgenommen. Die rasch erfolgten Untersuchungen zeigten zwei Hirntumore, ein davon umgeben mit dem lebensbedrohlichen Ödem. Nach der Kortisongabe verbesserte sich der Zustand des Patienten. Durch weitere Untersuchungen wurde ein kleiner Lungentumor (3x3cm) festgestellt. Vorläufige Diagnose: Lungenkrebs mit Hirnmetastasen.
Nach der Entfernung des einen Hirntumors wurde die zweite kleinere Läsion mittels des Gamma-Knife behandelt. Die histologische Untersuchung schien die Diagnose – Adenokarzinom der Lunge- zu bestätigen. Der Patient hat nie geraucht, führte ein normal gewöhnliches Leben. Die Krankheit kam absolut unerklärlich, der behandelte Arzt sagte: "Nach heutigem Stand der Wissenschaft wird Ihnen keiner erklären können, was die Ursache ist".
Es folgten 7 Chemotherapie-Zyklen mit Carboplatin-Pemetrexed. Über das gute Ansprechen des Primärtumors in der Lunge haben sich die Ärzte gewundert. Während der Behandlung hat mich Einiges überrascht:

(i) Die zweite Läsion im Kopf hat sich in 3 Wochen unbehandelt in drei Wochen zwischen dem Aufnahmetag und die Gamma-Knife-Behandlung nicht um einen Millimeter gewachsen, auch hat sie keine erwartete Reaktion auf die Gamma-Knife-Behandlung gezeigt;
(ii) Während der Chemotherapie hat der Primärtumor sehr gut angesprochen, aber die kleineren Herde und "feine Auszüge" und alle anderen Strukturen in der Lunge blieben unverändert. Von der Sicht der Dynamik passt es schlecht zusammen: Wenn es um die Erscheinungen gleicher Natur handelt, sollte man den Abbauprozess an den kleineren Strukturen viel eher sehen;
(iii) Der Mann hat nie geraucht. Die Suche nach der Ursache seiner Erkrankung ging immer weiter. In einem Buch habe ich gelesen, dass die Pilzinfektionen Krebs aufrufen können. Dann hatte ich eine Hypothese erstellt, dass der Mann erst eine Pilzinfektion (z.B. in Japan, wo er oft zur Dienstreisen gewesen war) bekommen hatte. Auf der Seite www.invasive-mykosen.de

habe ich gelesen:
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Betrifft die Infektion die Lunge, treten zunächst kaum Symptome auf und der Patient ist fieberfrei. Wenn Symptome erkennbar sind, treten sie oft mit erheblicher Verzögerung auf und sind wenig charakteristisch (z.B. trockener Husten, Atemnot, Brustschmerzen).
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Und weiter habe ich gefunden, dass die Pilzinfektionen der Lunge immer öfter auch bei den Immunkompetenten Patienten zu finden sind und manchmal ohne Fieber auftreten.
(iv) Vor ungefähr 13 Jahre hatte der Patient die Symptome wie trockener Husten, plötzliche Gewichtabnahme, neurologische Symptome wie Schwindel und plötzliche Ohnmachtzustände. Dann hatte er auch einen Nagelpilz bekommen (er scheint sehr anfällig für die Pilzinfektionen zu sein). Daraufhin hat ihm eine Hautärztin Sempera (Itraconazol) verschrieben. Nach der Einnahme (und nach einer gewissen Zeit) ist der Mann von all den oben beschriebenen Beschwerden frei geworden.
(v) Meine Vermutung war, dass er damals schon so eine, ähnliche wie jetzt, Erkrankung hatte, die unentdeckt blieb und durch einen Zufall geheilt war. Und alle Erscheinungen, die so verdächtig am Anfang als Metastasen aussahen und auf alle Behandlungen nicht angesprochen haben, sind "tote" Metastasen von damals.
(vi) Im aktuellen Fall hatte der Patient den trockenen Husten und Brustschmerzen innerhalb von 2-3 Monate ungefähr vor einem Jahr bevor dem Auftreten der neurologischen Erscheinungen.

Die Lungenärzte haben meine Idee nicht akzeptiert und wollten ihm das Medikament nicht geben. Die Untersuchungen Mitte Mai 2009 zeigten eine Remission: Keine neue Metastasen. Ich habe trotz der Verweigerung der Lungenärzte, dem Patienten Itraconazol verschreiben lassen. Er nahm den 200 mg pro Tag erst 2 Wochen am Ende Mai und dann noch 2 Wochen Ende Juni.

Ende August 2009 Schädel MRT zeigte multiple Läsionen im Hirn, 50 oder so. Die Neurologen haben zur Ganzhirnbestrahlung geraten. Er hat abgelehnt.
Ich war fest überzeugt, dass es um den Pilz und nicht um die Krebsmetastasen handelte. Die MRT-Untersuchung Ende September zeigte, dass die Läsionen sind so gut wie stehen geblieben. Der Radiologe meinte, es kann was Anderes sein, weil die Metastasen normalerweise schnell wachsen. Daraufhin habe ich dem Patienten wieder Itraconazol besorgt. Die MRT am 2.11.09 zeigte Größezunahme und Erscheinung von neuen punktuellen Kontrastmittelanreicherungen. Dabei hat sich die Intensität aller Läsionen zugenommen. Ich dachte, es sei ein Instrumentfehler.

Weil der Patient eine Ganzhirnbestrahlung weiter ablehnte, haben die Ärzte 3 Zyklen Alimta (Pemetrexed) vorgeschrieben.
Dabei nahm er ab dem Ende September durchgehend Itraconazol ein. Im Dezember wurde 2 Zyklen Alimta gemacht bei der gleichzeitigen Gabe der Itraconazol (diesmal haben die Ärzte mitgemacht, weil die Neurologen sagten, sie hätten so ein komisches MRT-Bild noch nie gesehen). Am 21. Dezember zeigte MRT ein Stopp im Wachstum aller Läsionen, dazu aber einige neue kleine Kontrastmittelanreicherungen. Der Patient hat die dritte Chemotherapie –Einnahme abgelehnt. Nimmt aber weiter den Itraconazol. Nach der letzten MRT-Untersuchung vor einer Woche schrieb der Radiologe: “Eindrucksvolle Befundbesserung supra- und infratentoriell bei bekannten multiplen kleinen Filiae“.
Sogar die zweite Läsion, die 7 Zyklen Chemotherapie unverändert blieb, scheint sich zu verkleinern (toj,toj,toj, aufs Holz geklopft). Die zunehmende Intensität und scheinbare Vergrößerung der Filiae im November schreibe ich dem Wirkungsmechanismus des Itraconazol zu.

Man soll wahrscheinlich vorsichtig bei den größeren Läsionen sein. Aber die „kleine Läsion“ von dem Patienten betrug 12 mm. Am 21 Dezember zeigte sie laut Radiologe „Einblutung und perifokales Ödem“ und im Februar ist sie als „größenregredient“ und mit „Abnahme der perifokalen hyperintensen Signalveränderungen“ beschrieben wurde.
Ich weiß nicht, in wieweit mein Bericht euch hilft. Aber konnte einfach nicht mit diesem Wissen stumm zu hause sitzen. Wenn ich vielleicht nur einem einzigem Menschen Mut gemacht habe, dann ist es nicht umsonst gewesen.
Ich drücke uns allen die Daumen.

Katja
PS. Die nächste CT-Thorax ist für Ende März geplant. Dann melde ich mich wieder. Viele liebe Grüße an alle.
Katja
 
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