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Wovor hat man keine Angst?

BeitragVerfasst: 06 Okt 2009 12:56
von OpenUpYourMind
Ich steck grade im 2. Chemozyklus und merke, wie ich immer tiefer in ein Loch rutsche.. ein Loch voller Ängste und unzähliger Fragen, die mir niemand beantworten kann oder wird.. Wird diesmal wieder alles gut? Wenn ja, wie lange werde ich dann haben, bis der nächste Tumor auftaucht? Werde ich jemals Mutter sein? Kann ich das überhaupt, will ich das überhaupt meinem Partner zumuten? Wann fallen die Haare aus und wann wachsen sie wieder.. ? ... Ich wünschte, ich könnte meinen Kopf ausschalten, wenigstens für ein paar Stunden ... und gleichzeitig habe ich genau davor Angst, vor dieser Stille... Angst, Angst, Angst.. ich habe die Schnauze voll von dieser beschissenen Angst... aber ich bekomme sie nicht mal gepackt..Schreiben, was vorher immer half, geht ins Leere.. zumindest gefühlsmäßig...... Ich suche nach nem Strohhalm, nem Sonnenstrahl, ner Hand..... aber kaum hab ich zugegriffen, rutsch ich wieder ab....

Vllt. liegts am grauen Wetter hat die Schwester vorhin im Krankenhaus gesagt... nun, wenn's NUR am Wetter liegen würde....

Danke für's "zuhören"..

Julia

Re: Wovor hat man keine Angst?

BeitragVerfasst: 06 Okt 2009 13:07
von Christa
Hallo meine Liebe,

natürlich kommst du wieder raus aus dem Loch, das weißt du doch. "Man muss immer erst am Boden des Sees ankommen, um sich wieder hoch zu stossen". Und das wirst du ganz sicher. Das Beschissenste an unserer Krankheit ist nun mal die Angst. Und die Angst vor der Angst. Auch wenn wir noch so auf stark tun, keiner kann damit umgehen. Auch die Gesunden nicht, sie sind sich ihrer Angst nur nicht so bewußt wie wir. Wahrscheinlich werden dir die Haare aus gehen, aber es wird dir egal sein, weil du dann schon wieder an der Oberfläche schwimmst.

Wenn du eine Hand brauchst, gebe ich dir gerne meine. Der Sonnenstrahl kommt von allein, aber am Strohhalm musst du leider selbst ziehen. Aber das kannst du, ganz sicher.

Mach jetzt ein kleines Nickerchen und morgen oder übermorgen ist es - ganz bestimmt - schon etwas leichter.

Jedenfalls wünsche ich dir das aus ganzem Herzen.

Liebe Grüße
Christa

Re: Wovor hat man keine Angst?

BeitragVerfasst: 07 Okt 2009 16:42
von brenessel
hallo julia,
hallo christa,

natürlich ist die angst ganz schwer zu ertragen. ich kenne das - ich finde es ist wirklich ganz schwer, die angst im zaum zu halten, oder sagen wir so, sie zu zähmen, damit sie uns TROTZALLEDEM zeit für schöne und glückliche momente, stunden, tage... lässt.

liebe julia, du stehst noch unter schock, die diagnose ist noch so neu...

christa hat ganz recht, du wirst aus dem loch kommen!

ob du mutter werden wirst, wie dein leben weitergeht - das sind sicher wichtige fragen. bitte denke nicht, dass du einem partner etwas ZUMUTEST. du bist ein wichtihger mensch, daran ändert die krankheit nichts.

was die mutterschaft betrifft, ich weiß ja nicht, was genau du hast (entschuldige, wenn ich etwas überlesen habe) - aber hast du mit ärztInnen darüber gesprochen?

christa, einen herzlichen gruß auch an dich
schickt

frau brenessel

Re: Wovor hat man keine Angst?

BeitragVerfasst: 08 Okt 2009 13:41
von Christa
Liebe Julia,

na, geht es heute schon ein kleines wenig besser? Ich hoffe doch sehr, denn heute ist bei uns ein herrlicher Sonnentag, das wärmt das Gemüt schon ein wenig auf.

Wünsch dir was ganz schönes
Christa

Re: Wovor hat man keine Angst?

BeitragVerfasst: 09 Okt 2009 15:54
von Simone_k
Hallo Julia,

wie gut, wenn du mit der Welt, deinen Freunden, der Sonne draußen und auch diesem Forum hier
in Verbindung bist!

bleib so und lass dich von den Ängsten nicht vollständig unterkriegen. gib ihnen etwas Raum, aber
nicht allen!

Alles Gute für Dich und lass von dir hören,

Liebe Grüße
Simone

P.S. Mein kleines Katerchen Ali erkundet momenta die Welt seines kleinen großen Umzugskartons mit
Schnuffeltüchern, Spieltier und schaut neugierig und manchmal auch irritiert in die Gegend.
Am zufriedensten sah er aus, als ich mit ihm auf dem Balkon war und er in den Himmel schauen konnte.
Und wenn ihm die Sonne auf den Pelz scheint.

Re: Wovor hat man keine Angst?

BeitragVerfasst: 20 Okt 2009 17:23
von Christa
Hallo Julia,

schon seit zwei Wochen nichts mehr von Dir gehört. Wie geht es Dir? Schon aus dem Loch gekrabbelt?

Alles Liebe
Christa