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Jemals wieder Ruhe finden?

BeitragVerfasst: 17 Aug 2009 13:53
von Bella
Hallo zusammen
Mir geht es heute gesundheitlich gut (Brustkrebs 2005). Und doch ist da ein Gefühl, das mir sehr Angst macht. Ich frage mich: Werde ich irgendwann wieder glücklich und unbeschwert sein? Wird es Momente geben, in denen einfach alles in Ordnung ist. Momente, in denen man sich nicht zu Sorgen braucht?

Ich erlebe oft sehr schöne Dinge und geniesse dieses Glück und doch liegt da immer dieser schwarze Teppich unter allem, der sagt: Es kann jederzeit wieder beginnen und du wirst sicher nicht gefragt werden, ob du willst.

Es macht mich traurig, wenn ich denke, dass ich nie mehr richtig sorglos sein werde. Und es macht mir Angst. Ich fühle mich, als wäre ich durch den Krebs aus dem Leben gefallen und ich finde nicht mehr dahin zurück.

Eine traurige
Bella

Kein Echo?

BeitragVerfasst: 19 Aug 2009 06:56
von Bella
Hallo zusammen
Es ist irgendwie komisch, wenn man keine Antwort bekommt...

Warum lesen die Leute den Beitrag, antworten aber nicht...

Nicht interessant? Nicht wichtig? Vielleicht sprachlos? Kein Thema?

Wie auch immer, mich würde es freuen, wenn sich noch jemand einmischt.

Herzlich
Bella

Re: Jemals wieder Ruhe finden?

BeitragVerfasst: 19 Aug 2009 10:13
von Freddy
Hallo Bella,

setz mal deine Lesebrille auf und schau bittschön unter "Glücksmomente",
da hat dir jemand geantwortet.

LG Freddy

P.S. Um Ruhe zu finden, ists meist nützlich, alle elektronischen Gerät-
schaften abzuschalten, und dem Rauschen der Blätter im Sommerwind
zu lauschen...

Re: Jemals wieder Ruhe finden?

BeitragVerfasst: 19 Aug 2009 13:17
von Bella
Hallo Freddy

Du liegst mit deiner Ferndiagnose tatsächlich richtig, ich brauche wohl demnächst eine Lesebrille.
Ich weiss, dass bei den Glücksmomenten Antworten gekommen sind. Na ja, vielleicht ist es einfacher auf Glück zu antworten als auf Angst?
Also werde ich deinen Ratschlag befolgen, den Computer ausschalten und dem Sommerwind lauschen.

Herzliche Grüsse und danke, dass du dich gemeldet hast.
Bella

Re: Jemals wieder Ruhe finden?

BeitragVerfasst: 21 Aug 2009 23:28
von brenessel
hallo bella,
ich verstehe sehr gut, was du meinst. auch ich hatte 2005 BK und gerade wenn es mir gut geht, wenn ich glücklich bin, tauchen die ängste auf.würde sagen, die ängste sind mit mir gewachsen, oder sagen wir so, je "unbescheidener" ich wurde, je größer meine hoffnungen und wünsche ans leben wurden, umso mehr und stärker empfand ich auch die angst.
"unbescheidener" schreibe ich unter anführungszeichen, denn es ist ja nicht eigentlich unbescjheiden, glücklich sein zu wollen. obwohl es manchmal so schwer ist und obwohl es so viele unglückliche menschen gibt.

ich wünsche dir und uns allen jedenfalls viele glücksmomente, kleine und große, kurze und lange, dicke und dünne, naja, einfach glück.

herzliche grüße
brenessel

Re: Jemals wieder Ruhe finden?

BeitragVerfasst: 22 Aug 2009 08:45
von Bella
Liebe Brenessel
Der von Freddy vorgeschlagene Sommerwind hat mir zwar echt gut getan, aber ich freue mich, dass du geantwortet hast. Es tut gut zu wissen, dass andere eine Erfahrung teilen.
"Es ist nicht unbescheiden, glücklich sein zu wollen", schreibst du. Das finde ich sehr schön. Denn manchmal habe ich das Gefühl und teilweise wird mir das auch so gesagt, dass ich einfach froh sein soll, dass ich den Krebs bis jetzt überlebt habe und die Chancen gut stehen, dass das so bleiben wird... Natürlich bin ich glücklich, dass es mir gesundheitlich gut geht, aber heisst das, ich muss allen Rest einfach so hinnehmen? Ich glaube nicht.

Ich wünsche dir, liebe Brenessel, auch ganz viele glückliche Momente!
Bella

Re: Jemals wieder Ruhe finden?

BeitragVerfasst: 24 Aug 2009 23:59
von brenessel
hallo bella,

ja, ich denke auch, wir sollten in diesem punkt durchaus "unbescheiden" sein.

jetzt musste ich aber noch darüber nachdenken, was es eigentlich heißt "sorglos" zu sein. denn ein bisschen habe ich den verdacht, dass ich auch früher nicht sorglos war, nur waren es eben "kleine sorgen" (aus meiner heutigen "große-sorgen-sicht"). damals waren die kleinen sorgen aber auch "ECHT".

wenn die "gesunden" ("eigentlich" sind wir ja auch gesund, nur wissen wir, wie schnell sich das ändern kann), wenn also die gesunden über ihre sorgen reden, habe ich das gefühl, so ganz sorglos ist kaum jemand. kein wunder, die welt ist ja auch etwas, naja, schwierig. nein: die welt ist schön, das leben schwierig.

huch, so viele anführungszeichen.

wie geht es dir mit der nachsorge, hast du auch immer so große angst?

SOMMERWIND, naja, ich höre ihn. und jetzt gönne ich mir ein achterl rotwein.

alles liebe

Re: Jemals wieder Ruhe finden?

BeitragVerfasst: 25 Aug 2009 20:03
von Freddy
Hallo Bella und brennessel,

na denn Prost die Damen und zum Wohl!

Wegen meiner Nierenprobleme kann ich nur ganz selten und
in Fingerhut-Dosis Rotwein trinken, aber ich freue mich jedes
Mal darauf, vielleicht dieses Wochenende.

So erhebe ich nur mein Wasserglas, um mit auf anzustoßen.

Übrigens SORGLOS war ich noch nie, was ist das?

Kenne ich nur aus dem albernen Otto-Song "Susi Sorglos fönte ihr Haar",
da stelle ich mir eine ziemlich hohle Nuss drunter vor...

Aber wie Ihr schon bereits beide gesagt, oder besser geschrieben habt,
es kommt mir - wie auch Anne- schon vor, als könne ich euch sehen,
TROTZ der Sorgen, trotz der Krankheit dieser nicht die Macht geben, einen
völlig zu beherrschen, sondern LACHEN, auch wenn es ein verrücktes, verzweifelte,
schwarzes oder gequältes Lachen ist, weiterlachen bis es lustig wird.

zeigt mir einen rundum glücklichen "sorglosen" Menschen, das sind doch immer
nur MOMENTE, auch der Glücklichste muss irgendwann leiden und sterben.

auf das Leben, FreundInnen, ("gibt es ein Leben VOR dem Tod, das müssen wir uns
heute fragen" ebenso "bin ich geboren, und wenn ja - warum?")

Trinken wir auf das Leben,

LG Freddy

Re: Jemals wieder Ruhe finden?

BeitragVerfasst: 26 Aug 2009 15:19
von Bella
Hallo ihr Lieben
Na, beim Anstossen bin ich auf alle Fälle dabei!

Ich denke auch, dass ich nie sorglos war. Ein sorgloses Leben gibt es wohl kaum. Und das meine ich auch gar nicht. Ich finde es einfach einen riesigen Unterschied zu früher. Natürlich lösen sich heute "kleine" Probleme wie von selbst, weil ich einfach anders damit umgehe.

Oder sollten wir dankbar sein, diese grossen Sorgen zu haben? Dank der Krankheit können wir erkennen, wie begrenzt unsere Zeit ist? Sorry, aber das scheint mir irgendwie zynisch zu sein. Da hätte ich mich lieber weiter mit den kleinen Problemen beschäftigt, wäre "unwissend" gewesen und mit 97 Jahren oder so an einem Hirnschlag gestorben.

Ach, ich weiss doch auch nicht. Der Krebs hat in meinem Leben Vieles verbessert, das muss ich zu geben. Und doch hat er mich auch viel Kraft gekostet.

@Brenessel: ich habe eigentlich keine Angst vor den Nachuntersuchungen. Oder besser gesagt nicht mehr. Viel wird da bei mir meistens nicht gemacht (Ultraschall und Blutuntersuchungen, Abtasten). Und ich bin mir bewusst: wenn der Arzt nichts findet bedeutet das nicht, dass auch nichts da ist (so eine fiese Krankheit ist das). Wahrscheinlich nehme ich es deshalb ziemlich gelassen.... Oder wie immer man dem sagen will.

Danke Freddy und Brenessel - den Sommerwind mit einem Glas Rotwein dazu werde ich von nun an dank euch besonders geniessen!

Bella

Re: Jemals wieder Ruhe finden?

BeitragVerfasst: 27 Aug 2009 23:31
von brenessel
nein bella. so habe ich es nicht gemeint, dass wir den großen sorgen gewissermaßen dankbar sein sollten. NEINNEINNEIN!

wahrscheinlich will ich mich auch selber trösten, indem ich mir denke "schau, du kleine brenessel, du hattest doch auch früher sorgen, die dich nicht schlafen ließen".
aber natrülich spüre ich auch den unterschied.
ja, ich konnte auch früher wegen (aus meiner heutigen sicht kleinen) sorgen nicht schlafen, aber da stand ich eben auf und wusch das geschirr, und gut wars.

aber ich denke mir halt, es hat keinen sinn, dem "früher" nachzutrauern. jetzt ist jetzt und manche dinge sind eben unwiederruflich vorbei. ich bin ja auch nicht mehr 15 und auch diese gefühle von damals kann ich nicht wieder-erleben.

haha, ich sagte auch zu meiner ferundin: vielleicht hat mich die krebserfahrung in gewisser hinsicht "weiser" gemacht. aber wie auch du, bella, stelle ich es mir ganz okay vor, etwas weniger weise mit 97 friedlich zu sterben.

was hat der krebs in deinem leben verbessert?

bei mir ist die nachsorge-untersuchung immer sehr aufwendig, blutbild, CT-thorax abdomen, MR der brust. lebe in wien, wo es zum teil automatisch so gehabdhabt wird für die ersten 5 jahre. wann war deine OP?
am anfang war ich super beruhigt nach so einer kontrolle, aber ich kam auch zur erkenntnis, dass trotzdem immer was sein kann. jetzt (haha) fürchte ich mich vor der kontrolle und zwischendurch auch. man kann sagen, die angst ist richtig listig geworden, während ich weiser geworden bin, also, sie bleibt bei mir (wie ein haustier)

freddy, na die susi sorglos, ist das nicht eigentlich ein kritisches lied, das so ein bisschen das traurige leben des alltags thematisiert, wo alles seinen fremdbestimmtren gang geht? kann mich so dunkel erinnern...

alles gute euch beiden
frau b.