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Diagnose Krebs - Wie geht man(n) damit um?

BeitragVerfasst: 08 Mai 2009 12:45
von David Lichtling
Ein junger Mann, der im Alter von 29 Jahren an Krebs erkrankt und über die Zeit seiner Behandlung berichtet.

"Ich legte mich in mein Krankenbett. Draußen war wie immer der Presslufthammer der vorhandenen Baustelle zu hören. Die hektischen Schritte auf den Fluren waren zu hören. Die Gesichter der Krankenschwestern waren die Gleichen. Ich konnte nur noch weinen, als die Ärztin mir den Schlauch für die Chemotherapie ansetzte. Ich war so verzweifelt und verlassen. Ich fühlte mich nicht mehr."

Es war Donnerstag, der 30.03.2006! Der Tag, der mein Leben änderte.

Seltsamerweise musste ich nicht lange im Warteraum Platz nehmen, sondern kam nach kurzer Zeit in die Sprechstunde meiner behandelnden Ärztin. Sie zog zunächst die Fäden und setzte sich danach auf ihren Stuhl. Dann kam der Satz aus ihrem Munde, der bei mir alles im Kopf zu kreisen brachte. Sie sagte, dass man nun ja die Ergebnisse der Biopsie vorliegen habe, aber diese leider nicht so wären, wie wir uns dass gewünscht hätten.

Danach folgte eine „Präsentation“ der ärztlichen Unfähigkeit, Patienten schlechte Nachrichten zu überbringen und diese zu erklären. Sie faselte irgendetwas von einem Karzinom, das ich hätte. Dieses müsse operativ so schnell wie möglich entfernt werden. Außerdem sei da etwas in meiner Nase, das auch entfernt werden müsste. Ob man nur auf der rechten Halsseite oder auch auf der linken Halsseite Lymphknoten entfernen müsste, werde sich noch entscheiden...

Meine Operation sollte am nächsten Morgen stattfinden, jedoch gestaltete sich der OP-Plan wohl anders, sodass ich erst gegen 12.30 Uhr in den Operationssaal geschoben wurde. Ich hatte diesmal drei Leck-mich-am-Arsch-Tabletten erhalten, aber hatte das Gefühl wacher zu sein, als beim ersten Mal. Im OP-Saal sagte jemand, dass sie wieder meine Narkoseärztin sein würde wie in der Woche zuvor. Ich konnte mich an diese Frau nicht erinnern.

Dann ging das Licht aus und ich sollte in der Hölle wiedererwachen!

Es war dunkel, als ich wieder zu mir kam. Ich befand mich nicht in meinem Zimmer und nicht im OP-Saal. Ich spürte etwas furchtbar Großes in meinem Mund, das mich erdrücken zu schien. Außerdem hatte ich das Gefühl ständig auf Toilette gehen zu müssen. Ich wollte dieses Etwas aus meinen Mund entfernen. Als ich meine Hände dazu benutzen wollte, musste ich feststellen, dass ich an das Bett gefesselt war. Ich bekam Panik! Neben mir fing ein Gerät an zu piepen! Eine Krankenschwester erschien für den Bruchteil einer Sekunde über meinem Kopf und forderte mich auf, zu atmen. Jeder Atemzug war so erdrückend für meinen Brustkorb aufgrund des Beatmungsschlauches, der in meinem Mund steckte. Ich hatte das Gefühl, dass ich hundert Kilo stemmen musste bei jedem einzelnen Atemzug. Ich hoffte, dass man mir diesen Schlauch entfernen würde, aber das geschah nicht. Ich hatte große Angst! Niemand war bei mir! Wo waren meine Freunde, die mich nach der Operation besuchen wollten? Sie waren bestimmt da gewesen, aber wo waren sie jetzt! Wer von ihnen war bei mir gewesen? Mir war sehr schnell bewusst, dass ich auf der Intensivstation lag. Es kam mir die Aussage des Narkosearztes vom Vortag in den Sinn. Er hatte gesagt, dass ich nur auf die Intensivstation kommen würde, wenn es Komplikationen geben würde. Was war also mit mir? Er hatte mich über die Intensivstation nicht aufgeklärt! Dabei war er sonst nett gewesen und der erste Arzt, der mich fragte, wie es mir mit dieser Diagnose ging.

Dann kam das I-Tüpfelchen dieser Horrortour! Als ich am nächsten Morgen in das Stationszimmer geschoben wurde, erwartete mich dort eine Krankenschwester. Diese Schwester fragte ich, ob sie wisse, wer von meinen Freunden am Abend zuvor da gewesen sei bzw. ob jemand benachrichtigt worden war. Diese antworte mir darauf, dass sie dafür jetzt keine Zeit hätte und es nicht wisse. Sie sagte, dass wir nicht mehr im Gesundheitssystem wie vor 20 Jahren wären und andere Patienten auch noch da wären. Sie meinte, wenn ich wolle, könne ich ja zu den Schwestern auf die Intensivstation zurück und mich dort beschweren. Ich traute meinen Ohren nicht. Diese verdammte Kuh hatte die Frechheit, mir das in meinem Zustand ins Gesicht zu sagen. Ich fragte mich langsam, aber sicher wo da die Fehler in unserem deutschen Gesundheitssystem sind. Was ist so schwer daran, höflich miteinander um zu gehen?"

Re: Diagnose Krebs - Wie geht man(n) damit um?

BeitragVerfasst: 31 Mai 2009 11:47
von Freddy
Hallo David,
es dauert scho sei Zeit, bis man die Beiträge in diesem Forum mal gesichtet hat...Deine Erfahrungen mit der unmenschlichen Atmosphäre in der Klinik kann ich nur bestätigen, das Personal hat keine Zeit für zwischenmenschliches, die stehen selber unter einem enormen Druck, was das teilweise knallharte Verhalten aber nur erklären und nicht entschuldigen kann. Da ist echt mal Umdenken und Veränderung gefragt.
LG Freddy