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Gedankenüberschuß, Teil 2

BeitragVerfasst: 26 Mai 2009 11:46
von dtroestler
Ich grüsse alle recht herzlich, vielen dank an alle die meine Geschichte gelesen haben, auch die mir so ein positives Feedback geschrieben haben... das ist die Fortsetzung meiner Geschichte:

Ich war heute zum ersten mal im Park, das Wetter war wunderschön, die Sonne schien mir ins Gesicht und ich war glücklich, den Tränen nahe, so glücklich am Leben zu sein, die Vögel singen zu hören, eine frische Brise des Windes umarmte mich sanft, danke, dass ich das darf… danke, dass noch viele solche Momente kommen können, würden… Es geht mir heute wieder so richtig gut, seit der Operation sind mittlerweile 5 Tage vergangen, aber alles nach der Reihe.

Als ich zum letzten mal schrieb hatte ich die Abschlussuntersuchung und OP- Konsilium noch vor mir, es war am Freitag vor zwei Wochen. Durch die Chemo haben sich beide Tumore wesentlich verkleinert, sie war also sehr erfolgreich- was leider nicht immer seien muss, die Ärzte probieren etwas, mal geht’s gut, mal eben nicht. Man beschloss bei mir zwei OP-Teams arbeiten zu lassen, alles unter einer Narkose, sowohl die Brust als auch Bauch, Herr Primarius erklärte mir auch, wie so eine Wertheim-OP aussieht, den Narbenverlauf, was bei mir alles rauskommt usw., es war zum Glück noch ein Wochenende dazwischen, denn ich musste ja diese vielen Infos zuerst verarbeiten. Termin der OP war am 20. Mai, Tag der Tage, sozusagen.

Ich war gar nicht nervös, ich hatte auch keine Angst, ich wollte einfach dass dieser Krebs endlich aus meinem Körper raus ist, ich wollte einfach wieder durchatmen und sagen ich bin gesund, krebsfreier Mensch, in mir ist kein Fremdling mehr, nichts was mich langsam, leise schmerzlos, und stätig auffrisst, umbringt, mich meiner Lebensfreude beraubt. Deswegen hatte ich keine Angst, ich wollte es hinter mir haben. Damals vor 5 Jahren war es genauso, aber diesmal wusste ich genau was auf mich zukommt, nur diesmal war ich wesentlich gelassener, man gewöhnt sich bekanntlich an alles, bekommt Rutine- klingt schlimm- nein, ich muss bei diesem Satz selbst schmunzeln. Das Leben mit Humor nehmen, das ist meine Strategie.

Am Mittwoch um 8Uhr, ging´s los. Als ich dann um 13Uhr auf der Intensivstation erwachte wartete mein Chirurg auf mich mit einer Nachricht, die mir förmlich die Sprache verschlug, der schönste Satz im meinem ganzem Leben! ‘‘Die Brust ist negativ, es ist nur ein Fibrom kein Tumor, wie haben sie, als der Pathologe die entnommene Probe untersuchte, sofort zugemacht. Deswegen hat ihre OP nicht so lange gedauert‘‘. Ich hatte gedacht, ich bin im Himmel, ich träume noch, oder das sind die Narkotika die wirkten, ich konnte es gar nicht glauben, ich habe ihm die Hand gedrückt und sagte nur- danke! Endlich kann ich mich nur auf eine Sache konzentrieren, nur an eine Stelle denken, jetzt ist mein Bauch wichtig, diese Zerrissenheit kostete enorme Kraft, und es ist immer besser nur ein Krebs zu haben, nicht zwei, oder?

Intensivstation- Umschlagplatz für Drogen aller Art, mein Körper wurde 24stunden überwacht, taghell auch in der Nacht, Schwestern und Ärzte im Dauereinsatz, bewundernswert was sie leisten. Der erste Tag war ganz gut, mir war nicht schlecht, auch Schmerzen hatte ich kaum, ich schlief mehr oder weniger dauernd. Aber das änderte sich schlagartig.

Nämlich, Wochen davor, noch während der Chemo habe ich gelesen, dass die Patientinnen nach Wertheim-OP am meisten unter der schlechten Peristaltik litten, das heißt bis der Darm wieder in Schwung kommt. Ich hatte mir damals nichts dabei gedacht, aber es ist wirklich schlimm. Ich habe zwei Kinder entbunden, aber das war ein Spaziergang dagegen. Es helfen nämlich keine Schmerzmitteln, die Luft muss bei Blähungen eben raus und Punkt. Das bedeutet, drei Tage lang Dauerschmerz, ich bin mir wie ein kleines Kind vorgekommen, jeder fragte mich ob ich schon war und ob schon Luft kommt. Ich habe mir eiserner Disziplin das volle Program durchgezogen, mir wackeligen Beinen aufstehen und laufen, dass sich mein Darm wohlfüllt und sich endlich bewegt. Da muss aber jeder durch, und bitte, wie schön sich so ein kleiner Pfürzlein anhört, oder wie schön, nach einer zweistündigen Anstrengung, ein Erbsengroßer Stuhlgang seien kann… Das waren die kleinen Schritte für die Menschheit und die großen für mich.

Mittlerweile ist aber alles wieder in bester Ordnung, ich bekomme keine Tabletten und Spritzen mehr, eigentlich warte ich nur auf weiteren Tag der Tage- bis die Ergebnisse der Histologie kommen, die sind für die weitere Behandlung entscheidend, ob weiter Chemo, oder Bestrahlung, oder beides, man wird´s sehen.
Ich bin aber schon für meine Tapferkeit belohnt worden, kein Brustkrebs, das ist doch der Hit!

Haltet mir weiterhin die Daumen, einmal hat es schon geholfen...
eure Dagmar

Re: Gedankenüberschuß, Teil 2

BeitragVerfasst: 26 Mai 2009 16:04
von Simone_k
Liebe Dagmar, ich freue mich sehr für dich, und habe lachen müssen (z.B) beim "Pfürzlein". Das ist toll, dass es nur ein Fibrom war... Da ist sicher eine zentnerschwere Last von dir gefallen. Ich drücke dir auch die Daumen und behalte deinen Humor!

Re: Gedankenüberschuß, Teil 2

BeitragVerfasst: 26 Mai 2009 19:15
von Sabine T.
Liebe Dagmar, ich hatte oft an dich gedacht. Schön, dass du wieder da bist und auch noch
mit einer extra guten Nachricht. Weiterhin gute Besserung wünscht dir Sabine.

Re: Gedankenüberschuß, Teil 2

BeitragVerfasst: 28 Mai 2009 20:42
von I.J.
Liebe Dagmar,

toll, dass Du die Op so gut überstanden hast und nun schon wieder auf den Beinen bist!

Darf ich Dich fragen, ob Du Dich irgendwie auf die Op vorbereitet hast? Mit zusätzlicher komplementärmedizinischer Unterstützung oder Ähnlichem?

Wenn Du hier nicht antworten möchtest kannst du mir auch gerne eine PN schreiben ... ich könnte es verstehen ;) .

LG
I.J.

Re: Gedankenüberschuß, Teil 2

BeitragVerfasst: 30 Mai 2009 12:07
von cessna
Liebe Dagmar, bewundernswert, wie Du Dich selbst durchhievst und noch Humor bewahrst! Ich hatte vor meiner Krebserkrankung Bauchfellentzündung mit anschließendem Darmverschluß (Ursache:verschlampter Blinddarm, eigentlich sollte ich meinen Arzt verklagen) und weiß, wie mühsam dieses Organ wieder in Gang zu bringen ist. Glückwunsch zur gesunden Brust, da kannst Du Dich doch jeden Tag freuen, wenn Du sie ansiehst. Weiterhin alles Gute für Dich, Daumendrücken inkludiert. Herzliche Grüße Cessna