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Überleben heißt nicht kämpfen

BeitragVerfasst: 21 Sep 2009 12:41
von Susanna
Ich bin selbst betroffen.Hatte selbst Hautkrebs und mein Vater ist vor kurzem an Krebs verstorben. Immer wieder ist von : sie /er hat den Kampf gegen den Krebs verloren die Rede. Aber ich denke in einem Kampf kann man nur verlieren. Das ist für mich die KUNST ,zu erkennen, was die Diagnose mit mir zu tun hat. Warum ich? Warum sind meine eigenen Zellen gegen mein Leben. Was habe ich all die Jahre übergangen? Was sagt die Stimme in mir. Ein Kampf ist laut und gewaltvoll, ein Sieg ist übertrumpfend ( er/sie hat den Krebs besiegt) . Ich möchte aber MIT der Diagnose leben, arbeiten und lernen, das wäre mein Vorschlag.

Re: Überleben heißt nicht kämpfen

BeitragVerfasst: 22 Sep 2009 13:47
von wered
Hallo Susanna,

Du bist neu hier im Forum also erst einmal herzlich willkommen.
Ich melde mich hier mal mehr mal weniger.

Dein Beitrag spricht mich an weil ich es ähnlich halte mit dem Krebs.
Nach der Diagnose vor etwa drei Jahren habe ich mit den Krebszellen
einen Dialog begonnen: "Ich weiß jetzt dass ihr da seit, habt keine Angst".

Dabei dachte ich ein ein Zitat von Rudolf Steiner: "Krebszellen sind irrsinnig
geworden, sie dienen nicht mehr dem ganzen."

Ich frage mich weiter, was hat dieser Krebs (Prostata) mit meinem Leben zu tun.
Zur Zeit komme ich nicht recht weiter mit den Antworten aus meinem inneren.

Erst dachte ich, es liegt daran dass ich mir alles bis ins Detail vorstelle was mit mir
in den nächsten Jahren geschehen könnte. Ein Gemetzel aus Stahl, Strahl und
Medikamenten (ich habe in den vergangenen 60 Jahren so gut wie keine genommen).
Und dass es diese Vorstellungen sind die ein wachsen, ein reifer werden behindern.

Doch in letzter Zeit schiebt sich immer deutlicher eine starke Emotion dazwischen-
d.h. wird erlebbar: es ist eine unsägliche Wut. Z.B. auf die Gesunden, weshalb
gerade ich, ich bin der universelle Verlierer usf.
Ist ja nicht gerade ein Ruhmesblatt. Aber meine Wut ist stark-also lebe ich!
Also nicht nur negatives.

Jetzt zeichnet sich ein mögliches Rezidiv ab. Als ich einem Freund davon erzählte
meinte er: "denk daran, Du stirbst so wie so".
Erst war ich sauer-dann merkte ich wie sehr mir seine Bemerkung hilft.
Er hat ja Recht.

Was mich etwas lähmt: dass ich diesen Verlauf der Erkrankung , in einer Art
"Selbst erfüllender Prophezeiung" mehr oder weniger unbewußt selber herbeigeführt haben könnte.
Dass das so ist, dafür gibt es eine ganze Reihe von Belegen.

Susanna, ich wünsche Dir ganz herzlich,
dass Du leben, arbeiten und lernen kannst,
dass Dein Leben gelingt-
und zwar einschließlich der Diagnose.

wered